19.8.2015 DLRG: Immer mehr Menschen können nicht richtig schwimmen – dabei ist das Interesse an Kursen hoch

Von Markus Lachmann

MAINZ/OPPENHEIM - Immer weniger Erwachsene und Kinder können schwimmen. Wir sprachen mit Andreas Lerg, Sprecher der DLRG Rheinland-Pfalz, über die Ursachen.

 

 

 

Herr Lerg, angeblich kann nur noch jedes dritte Grundschulkind sich sicher über Wasser halten. 25 Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland können nicht schwimmen. Decken Ihre Beobachtungen diese Zahlen?

Die Zahlen sind eigentlich sogar noch schlimmer, denn eine Forsa-Studie, die die DLRG auf Bundesebene 2010 in Auftrag gegeben hat, ergibt, dass 50 Prozent der Kinder bis zehn keine sicheren Schwimmer sind. In der Tat ist zu beobachten, dass immer mehr Kinder nicht gut und sicher schwimmen können. Das Interesse an Schwimmkursen ist indes ungebrochen. Dort wo Schwimmkurse (nicht nur von der DLRG) angeboten werden, sind die Wartelisten in der Regel rappelvoll.

Was sind die Gründe dafür, dass weniger Menschen schwimmen können?

Ursache ist vor allem, dass immer mehr Schwimmbäder schließen. Wo es kein Schwimmbad (mehr) gibt, können keine Schwimmkurse stattfinden. Zudem fallen Schul- und Breitensport ebenfalls aus, sodass die Schwimmfähigkeit nicht trainiert und verbessert werden kann. Weitere Ursache ist, dass manche Bevölkerungsschichten weniger häufig ihre Kinder in Schwimmkurse schicken. Zum Beispiel Schichten mit niedrigem Bildungsstand oder Einkommen. Aber auch beispielsweise bestimmte Religionsgruppen oder Flüchtlinge.

Was macht das Baden im Rhein so gefährlich?

Der Rhein ist ein Fluss mit permanenter Strömung, die deutliche Gefahren mit sich bringt, das ändert auch der derzeit niedrige Wasserstand nicht. Menschen kommen schwimmerisch nicht gegen die Strömung an. Zudem ist der Rhein Europas wichtigste und zentrale Binnenwasserstraße mit entsprechendem starkem Berufsschiffsverkehr. Ein Frachtschiff kann nicht wie ein PKW bremsen, sondern braucht bis zu einem Kilometer, um zum Stehen zu kommen.

Sollte man nur in überwachten Abschnitten schwimmen?

Das ist grundsätzlich immer ratsam, nicht nur an Flüssen, sondern auch Seen oder der Küste. Nur ist es gar nicht möglich, alle Stellen, an denen man baden kann, auch zu überwachen. Das ist personell weder von der DLRG noch anderen Organisationen zu schaffen.

Auch viele Flüchtlinge haben nie gelernt, zu schwimmen. Ein neues Phänomen für die Rettungsschwimmer?

In der Tat ist das ein neues Problem und die DLRG bietet hier, wo es personell und institutionell machbar ist, Hilfe an. In Oppenheim beispielsweise unterstützen wir drei Jugendliche aus Syrien dabei, ihre Schwimmfähigkeit zu verbessern. Auch andere Ortsgruppen engagieren sich hier und bieten beispielsweise Kurse an.

Was muss getan werden, um diese Entwicklung zu einem „Volk von Nichtschwimmern“ aufzuhalten?

Ganz einfach: Keine Bäder mehr schließen, sondern diese erhalten und nötigenfalls modernisieren und neue Bäder schaffen! Je mehr Bäder gerade in Flächenregionen verloren gehen, um so mehr potenziert sich das Problem. „Normale“ Schwimmbäder werden in der Regel immer Zuschussbetriebe sein. Aber das nur wirtschaftlich zu betrachten, ist fatal. Schwimmbäder haben auch „Nebeneffekte“, beispielsweise indem sie den Wohn- und Freizeitwert einer Region steigern.